Sonntag, 17. Februar 2008

Ein Märchen

Was- ein Märchen? Keine Geschichte aus der WG? Doch. Denn das nun folgende Märchen ist entstanden, als ich mit Informatiker Nr. 1 fort war. Auf der Rückfahrt. Ich war nüchtern. Ehrlich.

Das Märchen von Friedrich dem Ampelmännchen

Vor langer Zeit, in einem längst untergegangenen Königreich, lebte ein kleines grünes Ampelmännchen zusammen mit einem kleinen roten Ampelmännchen in einer Ampel. Obwohl sie so lange in derselben Ampel wohnten, konnten sich die beiden Ampelmännchen nie ins Angesicht blickten. Denn das kleine rote Ampelmännchen wohnte in der oberen Etage, das kleine grüne Ampelmännchen in der unteren. Abwechselnd leuchtete eines der beiden Ampelmännchen in die Welt hinaus, während das andere eine Pause machte. So vergingen lange Jahre, in denen immer ein Ampelmännchen arbeitete, während das andere Pause machte. Nur nachts, wenn auch die Ampel schlief, konnten die beiden Ampelmännchen ruhen. Dann unterhielten sie sich, über die vielen Dinge, die sie von der Ampel aus hatten beobachten können. Meist schlief eines der beiden Ampelmännchen zu den Erzählungen des anderen Ampelmännchens ein, bis das Licht der Ampel sie am nächsten Morgen aus dem Schlaf riss.

Dann ging das Königreich in dem die Ampelmännchen arbeiteten unter. Die Ampeln, die bis zu diesem Zeitpunkt im ganzen Königreich geleuchtet hatten, verblassten, und wurden durch andere Ampeln ersetzt. So verloren Friedrich und das rote Ampelmännchen ihre Arbeit. Sie wurden zusammen mit vielen anderen Ampelmännchen ausgemustert, und kamen auf eine Deponie, außerhalb einer großen Stadt. Dort verbrachten sie viele Jahre, in denen kein Licht mehr leuchtete. Aber Friedrich und das rote Ampelmännchen hatten einander. Sie hörten nie auf, miteinander zu reden, sich Geschichten aus längst vergangenen Tagen zu erzählen.

Eines Tages kamen fremde Menschen auf die Deponie. Sie begannen, nach und nach jede Ampel zu holen, und die kleinen Ampelmännchen aus ihren Ampeln herauszuschneiden. Danach wurden sie zu Schmuck verarbeitet, den die Menschen an ihren Kleidern und Taschen trugen. Aber Friedrich und das rote Ampelmännchen traf das Schicksal hart- da grüne Ampelmännchen begehrter waren als rote, wurde Friedrich von seinem Gefährten weggerissen. Ohne es jemals sehn zu dürfen wurde er von den Fremden in die Ferne entführt, während das rote Ampelmännchen in der Ungewissheit zurückblieb, ohne zu wissen, ob es jemals gebraucht werden würde.

Friedrich kam in ein Geschäft, gemeinsam mit vielen anderen Ampelmännchen. Zuerst hoffte er, sein rotes Ampelmännchen dort wieder zusehen. Er rief nach ihm, lange, lange Zeit. Aber die anderen Ampelmännchen verstanden ihn nicht. Sie sprachen nicht dieselbe Ampelmännchensprache wie er, da sie zu lange Zeit in verschiedenen Ampeln gelebt hatten. So verbrachte Friedrich lange Zeit in dem Laden, immer nach seinem roten Ampelmännchengefährten singend. Aber es antwortete nicht.

Er hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als er eines Tages etwas anderes Rotes an ihm vorbeigehen sah. In der Hoffnung, nun endlich das andere Ampelmännchen wieder zusehen begann er so laut zu singen wie er konnte. Und dann geschah ein Wunder. Das rote Etwas war zwar nicht das von Friedrich herbeigesehnte Ampelmännchen, aber dafür ein Wesen, das Friedrichs Gesang verstand. Sie nahm ihn auf, kaufte ihn frei und versprach ihm gemeinsam das rote Ampelmännchen zu finden.

Leider lebt das rote Etwas in einem anderen Königreich, und war nur kurz zu Besuch in Friedrichs Heimat. Dennoch hat sie ihm versprochen, die Kunde seiner traurigen Geschichte in die Welt hinauszutragen, bis er eines Tages sein rotes Ampelmännchen wieder findet. Bis dahin begleitet er sie, an einer Tasche hängend, immer nach seinem Gefährten Ausschau haltend…

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