Freitag, 8. August 2008

... the story is starting at the end?

Am Ende einer Geschichte liegt zugleich ein neuer Beginn.
Doch liegt im Ende einer Blog-Ära auch ein neuer Anfang begraben?
Seit Anfang Juli wohne ich nicht mehr in der Chaos WG; ursprünglich hatte ich vor, einige Begebenheiten nachzutragen. Aber die Zeit in der Wohnung ist für mich vorbei, und um einen Abschluss zu finden werde ich die alten Geschichten begraben lassen und nicht mehr aufwärmen.

Ob im Ende dieses Blogs gleichzeitig der Beginn eines neuen Blogs liegt ist ungewiss; primär habe ich ja dieses Blog schon nur für mich und eine handvoll Leser geführt (ich mach mir da keine Illussionen ;) ), als eine Art virtuelles Tagebuch. Zwar wohne ich jetzt wieder in einer WG; aber ist die Idee nicht schon ausgelutscht? Wird der neue Lebensabschnitt in der neuen Wohnung neues Chaos mit sich bringen?
Ich weiß es nicht. Vielleicht kann ich in ein, zwei Monatenmehr darüber aussagen ob mein Leben noch blogwürdig ist. Unter Umständen werde ich meine "kreative Energie" in andere Dinge lenken; kommt Zeit, kommt Rat. Und vor allem die Kraft für einen Neuanfang, die mir jetzt einfach fehlt.

Nun bleibt mir nicht mehr übrig als meinen wenigen Lesern für die Aufmerksamkeit zu danken; habe ich euch das eine oder andere Mal zum Lachen (oder vielleicht sogar zum Nachdenken?) gebracht, war es die Zeit wert, in der ich dieses Blog geschrieben habe. Lachen ist ein wertvolles Gut in der Welt, von dem es nicht genug geben kann; ehrliches, glückliches Lachen.

Ich greife nur ungern auf die Worte anderer Redner zurück- aber sie sind für einen Freak einfach zu typisch:
So long and thanks for all the fish!

PS: die Überschrift kommt natürlich vom gleichnamigen Liedtext von "The Seer": "The story is starting at the end" vom Album "Own World".

Montag, 9. Juni 2008

Urlaub zu Hause

Urlaub zu Hause- wie schön kann das sein! Man erspart sich nervige Fahrten oder Flüge, Impfungen, Lokales Essen, deutsche Touristen -wobei ich das nicht unbedingt von meiner Wohnung behaupten könnte, aber ich weiß ja nicht, was ihr euch so im Haus haltet.
Aber was kann man zu Hause machen? Man kann auf Wohnzimmersafari gehen, Erlebnisurlaub in der Küche (Schutzimpfungen vor dem Besuch des Kühlschranks nicht vergessen!) oder einfach mal zwei Wochen im Bett bleiben und sich wegträumen. Vor allem für Studenten eine günstige Alternative fürs wegfahren, weil wir ja sowieso kein Geld haben weil wir arme, kleine Schlucker sind die jenseits der Armustgrenze vor uns hinvegetieren... Aber nein, bevor ich hier meine Kontonummer für Spenden bekannt gebe, möchte ich auf eine neue Möglichkeit für Heimurlaub hinweisen:
Tauchen.
Nicht meine Idee, aber die einer meiner Mitbewohner. Und nein, ich meine jetzt nicht schnorcheln in der Badewanne, sondern wirkliches Tauchen, in dunkle Gewässer vordringen in die sich bis jetzt noch kein Mensch getraut hat! Voller Mut hinabtauchen, die Oberfläche hinter sich lassen! Wo das in einer Wohnung gehen soll? Diese Erkenntnis hat sich mir heute offenbart als ich eine Tauchzeitschrift auf unserem Klo gefunden habe! Ich lasse jetzt mal vorneweg, wer die dort deponiert hat- aber die Idee ist nicht nur preiswert sondern auch einzigartig! Denn so nen Scheiß macht euch so schnell keiner nach... bzw. kommt keiner nach!

Sonntag, 8. Juni 2008

Guten Morgen im Mittelalter!

Das Wesen, das unsere Wohnung entworfen haben muss, hatte anscheinend zwei Grundlegende Probleme: Zum einen hatte es keine Ahnung von Architektur, zum anderen hatte es eine sehr, sehr gute Blase. Zweiteres wäre für uns ja kein Problem gewesen, aber leider führt hier auch der Mangel an Problemen und damit verbundenem Einfühlvermögen zu Schwierigkeiten.
Wie komme ich darauf?
Unsere Wohnung liegt, wie vielleicht schon erwähnt, im obersten Stock. Wir haben schöne Dachschrägenfenster, die uns das Leben im Sommer zur Hölle machen (oke, dort ist es vielleicht ein paar Grad kühler). Dafür haben wir einen schönen Ausblick, und das ist doch auch etwas wert.
Der nächste Konstruktionsfehler ist nicht so leicht zu verzeihen, besonders wenn man nach einer stark durchzech- ähm ich meinte natürlich durchlernten Nacht voller Schlaf aufs Klo gehen will. Dann steht man auf, die Welt um sich herum dreht sich fröhlich- und man wäre froh, wenn man es nicht so weit zum Klo hätte.
Wenn. Das ist das springende Wort. Denn unsere Schlafzimmer befinden sich am anderen Ende der Wohnung. Wenn wir also mitten in der Nacht aufs Klo müssen, müssen wir zuerst durch den Gang vor unseren Zimmern, dann durchs Wohnzimmer wo wir von hungrigen Wegelagerern belästigt werden und dann nochmal durch den Gang vor Küche und Klo. Und natürlich den ganzen Weg nochmal zurück. Das Badezimmer befindet sich übrigens bei den Wohnzimmern- also -diesmal vom Klo aus gesehen- am anderen Ende der Wohnung.
Aber wir sind Studenten, und das nicht ohne Grund. Immerhin sind wir die Elite der Gesellschaft, gut aussehend und überaus kluk. Heute sind wir auf die Idee gekommen, wie wir uns dieser schrecklichen Situation entledigen können: mit einem Nachttopf! Und weil wir ja auch Mittelalterfans sind, wissen wir genau, wie man so einen Nachttopf entleert: aus dem Fenster rauskippen!
Das war dann der Moment, an dem sich Arthi eingemischt hat, mit dem freundlichen Vermerk, dass wir ja ein Dachschrägenfenster haben. Und uns von der Senkrechte 1,5m trennen. Und es hier oben heiß wird... ich glaube, jeder der schon einmal auf einem Festival war, wird wissen, was ich meine...
Aber -wie schon einmal erwähnt- sind wir ja kluke Studenten und wissen uns zu helfen: deshalb werden wir den Nachttopf bei nächster Gelegenheit einfach im Treppenhaus in den Keller hinunterleeren... Und wenn die Hausmeisterin mit ihrem Zerberus zufälligerweise aus ihrer Wohnung kommt, beobachten darf, wie jemand von uns die Erzeugnisse einer Nacht in ihr schönes Treppenhaus schüttet... ja, dann fragen wir sie einfach, wie es ihrem Drucker geht!



PS: wenn dich die Idee allein nicht erschreckt, ekelt oder belustigt: dann vielleicht die Tatsache, dass wir beim Essen drauf gekommen sind...
Ein freundliches Dankeschön geht übrigens an K., fürs zur Verfügung stellen des Nachttopfs.

Sonntag, 1. Juni 2008

Nachtrag

Hier ein keiner Nachtrag zum "You seem trustworthy"-Post vom 23. Mai. Mein Mitbewohner müsste für eine Prüfung am Montag lernen, dementsprechend wichtig ist es ihm, sich gebührend abzulenken:

Wir kompensieren!

Schon vor der EM ist ganz Wien "Fußballnarrisch"- alle freuen sich auf das bevorstehende "Mega-Event" (als obs so ein Wort nicht auf Deutsch gebe!) und tun so, als hätte Österreich eine reale Chance, bei der EM was zu reißen. (es ist wirklich erstaunlich, wie gut man drüber hinweg sehen kann, dass wir uns seit '64 nicht mehr für eine EM qualifiziert haben...). Und weil wir Österreicher sind, kompensieren wir den schmerzlichen Gedanken, dass unsere Fußballnationalmannschaft bestenfalls als Rasenschmuck verwendet werden kann mit dem einzigen legitimen Mittel: einer Überportion Patriotismus. Selbst renommierte Zeitungen sind im "EM-Fieber" (Ich finde schön, dass dieser Zustand schon im Vorhinein als Krankheit bezeichnet wird, dass erspart die Notwendigkeit neuer Wortschöpfungen). Wie vor 2 Jahren in Deutschland sieht man an vielen Autos Österreichflaggen, die von manchem Schlaukopf auch schonmal in voller Fahrt verloren werden, weil er/sie das Fenster öffnet. Im Grunde eine gute Idee- endlich sind auffällige Leute im Straßenverkehr zuverlässig gekennzeichnet! Darauf haben wir restlichen Autofahrer ja schon seit Jahren gewartet.

So sind wir Österreicher wenigstens im Kompensieren vom mangelnden Fußballkönnen Meister. Denn darin haben wir, wie sogar bei uns in der WG zu bemerken ist, sehr viel Erfahrung. Beim Kochen kompensieren wir zu viel Zitrone mit noch mehr Paprika und Thymian, und auch bei unseren Haustieren sind wir erfinderisch. Anfang Mai hat die Katze meiner Eltern Junge zu Welt gebracht-nur hat aufgrund eines Gendefekts eines ihrer Babys einen kleinen, unterentwickelten Schwanz. Aber das macht ja nichts- seit Jahrhunderten zeigt uns eine Hälfte der Weltbevölkerung, nämlich die schwanztragende, sehr erfolgreich vor, wie man fehlende Anatomie kompensiert. Aus dem anfänglichen Vorschlag, das kleine Katerchen würde ein Auto bekommen, hat sich mittlerweile eine geekischere Version entwickelt: der kleine Kater bekommt ein Holzschwert. Daran kann er sich zumindest die Krallen schärfen, wenn er sich mal wirklich zu Wehr setzen muss.

Freitag, 23. Mai 2008

YOU seem trustworthy- Would you care to join our noble quest?

Gestern stand ein WG Ausflug auf dem Stundenplan für kleine brave Geeks. Zumindest für 2/3 von uns, der Dritte war bedauerlicherweise ans Bett gefesselt.
Wo wir waren? Am Mittelalterfest im Böhmischen Prater in Wien! Wie es sich für anständige Geeks gehört natürlich in voller Gewandung, möglichst authentisch. Schonmal einen ganzen Tag trotz unbefestigter Straßen und teilweise sehr schlechtem Wetter dünne Lederbatscherl getragen? Nein? Gut, ich auch nicht. Aber Arthi :) Deswegen mussten wir auch jedesmal nach dem wir einen steinigen Felsweg entlang gegangen sind eine kurze Pause machen, damit Arthi seine Schuhe entrümpeln konnte...
Die meisten, die diesen Blog lesen, werden schon einmal auf einem Mittelaltermarkt gewesen sein. Für alle Unwissenden: Leute mit zuviel Freizeit Interesse am Leben vor ein paar Hundert Jahren machen sich Gedanken darüber, wie man sich zu dieser Zeit kleidete, kämpfte, welche Musik man spielte, was man aß... Dann versammeln sie sich regelmäßig an Wochenenden um Märkte abzuhalten, auf die dann meistens auch sehr viele "normale" Menschen kommen um Geld auszugeben bzw. sich an etwas Geschichte zu ergötzen. Meistens trifft man auf solchen Märkten sehr viele nette und interessante Menschen, vor allem wenn man selbst in einer annehmbaren Gewandung auftaucht findet man schnell Anschluss. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich dieser Sucht zum Opfer gefallen bin, aber -wie ich eben bin- habe ich gleich einige meiner Freunde mitgerissen, die seit dem dazu verdammt sind jeden Mittelaltermarkt in der Nähe abzuklappern, dort auf noch mehr Freunde zu treffen, zur Musik von Spielleuten zu tanzen, ein Hörnchen Met zu trinken und über das Leben zu philosophieren.
Gestern war ein etwas außergewöhnlicher Mittelaltermarkt, weil -im Vergleich zu anderen Märkten- relativ wenige Gewandete da waren. Das mag an der Location oder an der Tageszeit liegen- aber es ist uns bereits auf dem Hinweg zum Markt aufgefallen. Als ob die Leute noch nie 3 Gewandete in der U-Bahn gesehen hätten. Von denen einer ein Katana trägt. Also wirklich.
Auf dem Markt selbst haben wir dann schnell die üblichen Verdächtigen gefunden und sind dann zu Viert bzw. zu Sechst über den Markt gezogen. Spätestens als wir eine "Taverne" betreten haben, erwachte das Rollenspielerkwiek in meinem Herzen- und die Pendants dazu in den Köpfen der anderen. Wir sind in einer Taverne- und was machen brave Rollenspieler in einer Taverne? Entweder sie suchen neue Kameraden oder sie sprechen den Barkeeper an ob er einen Auftrag für uns hat!
Und wie es nicht anders kommen konnte, packte Arthi sein umfangreiches Repertoir an Ziaten aus- denn es gibt nur einen wahren Spruch um neue Mitstreiter anzuwerben: "You seem trustworthy- would you care to join our noble quest?" aus dem (unter uns) oft zitierten Film "The Gamers"! Schnell haben wir uns auch die Rollen in unserer Gruppe ausgemacht- ich verrate nicht, wer von uns die Hexe war.
Nachdem wir und an Hühnchen, die extra für uns geschlachtet wurden, gestärkt hatten, marschierten wir auf den Markt um uns auszurüsten. Die Hexe brauchte zum Glück keine Waffen, aber unser armer Kleriker (=Arthi) war noch unbewaffnet! Er entschied sich für eine Keule, die er danach locker den ganzen Tag schwenkte und unter anderem verhinderte, dass eine Freundin von einem beleidigten Rittersmann geköpft wurde... Aber nicht nur handelt es sich dabei um eine andere Geschichte- nein, man zieht in der U-Bahn gar keine Aufmerksamkeit mehr auf sich, wenn man seltsam gewandet ist. Nur, weil man eine kleine Keule hat...

Sonntag, 20. April 2008

Wenn Künstler kochen

Kreativ Kochen wird für die wenigsten ein völlig neuer Begriff sein. Mein Bruder zum Beispiel versteht darin das wirre zusammenschmeißen von Zutaten und Gewürzen, so dass am Ende nur noch Leute mit Bundesheer oder langjähriger Kantinenerfahrung dazu in der Lage sind, das Endprodukt zu essen.
Bei mir schaut die Sache ein bisschen anders aus. Durch die ersten Frühlingsstrahlen zwischen meinen Bücherregalen hervorgelockt, hat mich die gesamte Uniwoche der Wunsch geplagt, einen Gemüseeintopf zu kochen. Für waghalsige Küchenexperimente bleibt mir allerdings zur Zeit nur der Sonntag, weil ich unter der Woche zu lange Uni habe und nicht einsehe, warum ich früher aufstehen soll nur um zu kochen.
Deshalb hab ich mich heute ausgeschlafen in die Küche gestellt, und mit extra eingekauftem frischen Gemüse einen kleinen Eintopf zusammengestellt:
Dem geübten Auge wird die Zusammenstellung nicht entgangen sein:
Lauch
Erdäpfel
Kohlrabi (als Erdäpfel getarnt)
Karotten
Ursprünglich wollte ich Karfiol dazugeben und keine Karotten. Aber dann hatte ich Lauch, Erdäpfel und Kohlrabi schon geschnitten, und sie haben von Frabe und Form her so schön zusammengepasst, dass ich sie nicht mit den Blumenstraußartigwachsenen Karfiolröschen zusammenwerfen wolle. Dafür habe ich als finalen Farbtupfer Karotten dazugetan, die meine Farbzusammenstellung perfekt abgerundet haben.
Auch beim Würzen wollte ich den Frühling/Sommer (je nachdem wie sich der Aprilwettergott gerade entscheidet) etwas Einzug halten lassen; außerdem hat mich ein Gedanke beim Aufwachen nicht losgelassen: "Rosmarin. Rosmarin..." Den hatte ich leider nur in meinen Kräutern der Provence zu Hause, dafür habe ich den Mangel mit Thymian kompensiert. Etwas Salz & eine kleine Prise Suppengewürz- perfekt!

Als Beilage gab es übrigens noch Hirse. Die hielt zwar die Igluform beim Servieren nicht perfekt ein, aber meiner Meinung nach war das Anrichten dennoch gelungen:

(Arthis Teller)

(Mein Teller, am bunten Löffel erkennbar)

Ja- mein Auge hat manchmal doch mehr Hunger als mein Magen ;)